Asiatische Hornisse: Warum voreiliges Handeln bei Sichtungen gefährlich wird

Asiatische Hornisse: Warum voreiliges Handeln bei Sichtungen gefährlich wird
Hornisse (über umsiedlungen)

Ein tiefes Brummen, ein dunkler Schatten am Gartenhaus, vielleicht sogar ein kleines Nest am Rollladenkasten: Die Asiatische Hornisse sorgt derzeit für viele Schlagzeilen – und noch mehr Verunsicherung. In einzelnen Bundesländern sind die Sichtungen zuletzt auf Rekordniveau gestiegen. Doch wer glaubt, ein Nest sei ein Fall für Spraydose oder Gartenschlauch, macht oft genau das Falsche.

Erster Schritt: Bestimmen, nicht entfernen

„Bei der Asiatischen Hornisse ist der richtige erste Schritt gar nicht die Entfernung, sondern die sichere Bestimmung der Tierart“, erklärt Dr. Christian Klockhaus, Director Science & Technology bei einem Schädlingsbekämpfungsunternehmen. Wer ein verdächtiges Tier oder Nest entdeckt, sollte zunächst Abstand halten, wenn möglich aus sicherer Entfernung ein Foto machen und fachkundige Hilfe hinzuziehen.

Verwechslungsgefahr mit geschützter Art

Die Unterscheidung ist für Laien alles andere als trivial – und rechtlich relevant. Typisch für die Asiatische Hornisse sind ein dunkler Körper, gelbe Beine und ein orangegelb gezeichneter Gesichtsbereich. Die heimische Europäische Hornisse ist dagegen größer und deutlich heller gefärbt. Ein weiterer Unterschied liegt im Flugverhalten: Asiatische Hornissen fliegen ausschließlich tagsüber bei Temperaturen ab etwa 15 Grad Celsius, während Europäische Hornissen auch abends und nachts aktiv sind. Auch die Nester ähneln sich im frühen Stadium stark.

Das Problem: Die Europäische Hornisse steht in Deutschland unter Naturschutz. Ihre Nester dürfen nicht ohne Weiteres entfernt werden. „Gerade weil aktuell so viel über die Asiatische Hornisse gesprochen wird, steigt die Gefahr von Verwechslungen“, warnt Klockhaus.

Von kleinen Primärnestern zu meterhohen Sekundärnestern

Im Frühjahr und Frühsommer entstehen zunächst kleinere Primärnester an geschützten Stellen – in Gartenlauben, Geräteschuppen, Hecken, Sträuchern, unter Dachvorsprüngen oder an Rollladenkästen. Im weiteren Jahresverlauf können daraus deutlich größere Sekundärnester werden, meist in Baumkronen oder an schwer zugänglichen Gebäudeteilen. Durchmesser von über einem Meter sind dabei keine Seltenheit.

Warum Nester kein Fall für Eigeninitiative sind

Frühe Nester lassen sich zwar leichter entfernen als spätere – das bedeutet aber nicht, dass Privatpersonen selbst aktiv werden sollten. Asiatische Hornissen verteidigen ihr Nest aggressiv. Je nach Lage, Größe und Entwicklungsstand braucht eine sichere Entfernung Schutzkleidung inklusive Gesichtsschutz, technische Hilfsmittel und zusätzliche Sicherungsmaßnahmen. „Ein Nest am Haus oder im Garten sollte man unter keinen Umständen leichtfertig mit Spraydose oder Gartenschlauch angehen“, so Klockhaus. „So etwas gehört in fachkundige Hände.“

Was bei einer Sichtung zu tun ist

Wer ein verdächtiges Tier oder Nest entdeckt, sollte Abstand halten und das Nest nicht erschüttern. Kinder und Haustiere gehören ferngehalten. Auf keinen Fall sollte selbst gesprüht, gestoßen, geschnitten, abgesaugt oder entfernt werden. Wenn gefahrlos möglich, hilft ein Foto aus sicherer Entfernung bei der Einordnung. Der Fund sollte fachkundig bestimmt werden, bei einem aktiven Nest ist professionelle Hilfe zur Entfernung notwendig. Je nach Bundesland ist zudem eine Meldung über die offiziellen Meldewege vorgeschrieben.

„Mein Rat lautet daher: erst prüfen, dann handeln“, fasst Klockhaus zusammen. „Ein Foto kann bei der Einordnung enorm helfen. Abstand schützt vor unnötigem Risiko. Und ein aktives Nest ist definitiv kein Ort für Improvisationen.“

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