Theo Müller scheitert vor Gericht – und beschädigt sich selbst

Justiz (über George Stan's Images)
Justiz (über George Stan's Images)

Der Unternehmer Theo Müller ist mit seiner Klage gegen die Nichtregierungsorganisation „Campact“ vor dem Landgericht Hamburg deutlich gescheitert. Das Gericht entschied, dass Campact weiterhin äußern darf, Müller unterstütze die Alternative für Deutschland. Juristisch ist das Urteil klar. Politisch ist es brisant.

Der Versuch, Kritik gerichtlich zu ersticken

Wer als Unternehmer den öffentlichen Diskurs sucht oder zumindest nicht scheut, muss Kritik aushalten. Stattdessen entschied sich Müller für den juristischen Weg – mit dem Ziel, eine zivilgesellschaftliche Organisation zum Schweigen zu bringen. Das ist legitim im Rechtsstaat. Aber es ist auch ein Signal.

Denn Klagen dieser Art wirken nicht nur wie der Versuch, eine konkrete Behauptung zu unterbinden. Sie entfalten eine abschreckende Wirkung gegenüber Kritikern. Wer über ausreichende finanzielle Mittel verfügt, kann Druck erzeugen – selbst dann, wenn die Erfolgsaussichten unsicher sind.

Das Gericht hat diesem Vorgehen nun eine Grenze gesetzt.

Öffentlichkeit ist kein PR-Raum

Wenn Verbindungen oder Nähe zu einer Partei thematisiert werden, gehört das zur öffentlichen Auseinandersetzung – insbesondere dann, wenn es um die AfD geht, deren politische Positionen seit Jahren Gegenstand kontroverser Debatten sind.

Anstatt sich mit der inhaltlichen Kritik auseinanderzusetzen oder Transparenz zu schaffen, wählte Müller den Weg über das Gericht. Das kann man als Verteidigung verstehen. Man kann es aber auch als Versuch werten, unliebsame Diskussionen zu delegitimieren.

Das Urteil legt nahe: Öffentliche Akteure müssen sich der öffentlichen Bewertung stellen.

Eigentor mit Ansage

Der Prozess dürfte am Ende mehr Aufmerksamkeit erzeugt haben als die ursprüngliche Kritik. Wer gegen zivilgesellschaftliche Organisationen klagt, riskiert genau das Gegenteil dessen, was beabsichtigt war: eine Verstärkung der Debatte.

Der Rechtsstaat hat entschieden. Und er hat deutlich gemacht, dass Kritik an einflussreichen Unternehmern kein Tabu ist.

Anzeige

Über Redaktion | cozmo news 3640 Artikel
cozmo news ist die Zentralredaktion hinter dem Nürnberger Blatt, Hamburger Blatt, Stuttgarter Blatt, Münchener Blatt und Fränkisches Blatt. Als unabhängige digitale Nachrichtenplattform bereiten wir aktuelle, relevante und hintergründige Themen für unsere vielfältige Leserschaft auf. Unsere Redaktion verbindet journalistische Qualität mit innovativen Erzählformen – klar, ehrlich und nah am Puls der Zeit.

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Wir freuen uns auf deinen Beitrag! Diskutiere mit und teile deine Perspektive. Mit * gekennzeichnete Angaben sind Pflichtfelder. Bitte nutze deinen Klarnamen (Vor- und Nachname) und eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht). Wir prüfen jeden Kommentar kurz. Beiträge, die unsere Netiquette respektieren, werden freigeschaltet; Hassrede, Beleidigungen, Hetze, Spam oder Werbung werden nicht veröffentlicht. Es gelten unsere Datenschutzvereinbarungen.